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„Corona“ für das Fürstenpaar

Schon vor 350 Jahren gab es in Salzburg um Corona ein Riesentheater. Das heuer so verhängnisvolle Virus und ein lateinisches Drama

Weil ein Coronavirus wie eine gezackte Krone aussieht, trägt es die lateinische Bezeichnung für die Kopfbedeckung von Monarchen. Ein seltsamer Zufall will es, dass der Begriff Corona genau 350 Jahre vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 in anderem Zusammenhang in Salzburg im wahrsten Sinn des Wortes seine Bühne hatte: Am 5. September 1670 wurde an der damaligen Universität ein Theaterstück mit dem Titel „Corona laboriosae heroum virtuti imposita“ aufgeführt. Der Text ist leider nicht erhalten, wohl aber ein gedrucktes Theaterprogramm, das man in der Fachsprache Perioche (vom griechischen Wort für „Umfassen“) nennt. 

Solche Periochen enthalten wichtige Angaben zu Vorstellungen des katholischen Ordenstheaters der Barockzeit, wie es vor allem die Jesuiten und Benediktiner in Szene setzten. An der alten Salzburger Universität erlebte das Theater der Benediktiner, die diese Hochschule führten und hier ihren Nachwuchs aus zahlreichen Klöstern des süddeutschen Sprachraums ausbildeten, seine Hochblüte. Von den Dramatikern erwarb sich Simon Rettenpacher, der dem Stift Kremsmünster angehörte, den meisten Ruhm. Unter den Komponisten finden sich neben dem damals elfjährigen Wolfgang Amadeus Mozart, der als Knabe auch einmal im Ballett mittanzte, mit seinem Werk „Apollo und Hyacinth“ (1767) auch Michael Haydn, Georg Muffat oder Heinrich Biber.

Lange Titel für die lateinischen Schuldramen waren damals üblich. Was jener mit „Corona“ beginnende von 1670 bedeutet, lässt sich auf dem Titelblatt der Perioche in barockem Deutsch nachlesen: „Ehren-Cron/Hochansehlichen Helden umb wegen mühlicher Tugend-werbung von Gloria auffgesetzt.“ Es geht also darum, jene, die sich um tugendhaftes Verhalten bemühen, mit einer Krone zu ehren.

Bei dieser Aufführung handelte es sich nicht um eine beliebige unter vielen. Sie bedeutete vielmehr innerhalb der von 1617 bis 1778 währenden Geschichte des Salzburger Benediktinertheaters ein echtes Glanzlicht. Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern (1636-1679) und seine Gemahlin Henriette Adelaide von Savoyen (1636-1676) reisten damals mit einer 500-köpfigen Entourage durch Bayern und Salzburg und statteten auch der Stadt Salzburg und Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg einen Besuch ab. Zu Ehren dieses Fürstenpaares fand am 5. September die festliche Vorstellung statt. Der Venezianer Domenico Gisberti (1635-1677), ein Priester und Schriftsteller, nahm an dieser Reise teil und veröffentlichte darüber ein Buch in italienischer Sprache. 

Die Salzburger Musikwissenschafterin Sibylle Dahms zitierte daraus 1970 auf Deutsch in einem Fachbeitrag für die „Österreichische Musikzeitschrift“ eine Passage über diesen Theaterabend: „Es war eine lateinische Dichtung, die Bühnenmaschinerien aber waren italienisch, die Verwandlung der 16 Szenenbilder war geradezu göttlich zu nennen. Man konnte das Werk als eine Oper bezeichnen. Außerordentlich hoch müssen die Kosten für die Aufführung gewesen sein. Groß war die Zahl der auftretenden Künstler, ungeheuer groß der Zulauf des Publikums. Ein Teil der Handlung wurde deklamiert, ein Teil gesungen. Kavaliere des Hofes führten die Tänze aus, die zum Teil als Zwischenspiel in die Handlung eingelegt waren. Es war ein köstliches Durcheinander, allen Zuhörern ein herrlicher Zeitvertreib.“ Die hohen Kosten könnten die Ursache dafür gewesen sein, dass die am Ende des Studienjahres übliche große Theateraufführung, die „Finalkomödie“, im Jahr 1671 nicht stattfinden konnte.

Als Autor und Spielleiter war ein Mann am Werk, über dessen Leben man nicht viel weiß. Otto Guzinger wurde um das Jahr 1617 in Kärnten geboren und am 19. März 1639 in Salzburg zum Priester geweiht. Er gehörte dem bayerischen Benediktinerkloster Seeon an, das 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, und unterrichtete ab 1639 in Salzburg, zunächst am Akademischen Gymnasium, vorwiegend in der Rhetorik-Klasse, später als Professor für Ethik an der Philosophischen Fakultät. Daneben amtierte er jahrzehntelang als „Pater comicus“ und war damit für die „Finalkomödien“ zuständig, von denen er in drei Jahrzehnten 20 zur Aufführung brachte, mehr als jeder andere seiner Kollegen im 17. und 18. Jahrhundert. 

Er hatte offensichtlich schon in jungen Jahren ein besonders gutes Händchen dafür, zu bedeutenden Anlässen „auf Bestellung“ das richtige Stück zu liefern, zum Beispiel zum Besuch eines österreichischen Erzherzogs namens Sigismund über einen Heiligen mit dem gleichen Namen. Ob hohe Besuche, das Ende des Dreißigjährigen Krieges oder die Kaiserkrönung von Leopold I. – Guzinger schrieb das passende Stück oder arbeitete  ein früheres Werk entsprechend um. Unter ihm erlebten vor allem allegorische Spiele in Salzburg ihre Blütezeit. Wie ein roter Faden zieht sich die Lobpreisung des Friedens, der Eintracht, der Tugend und der göttlichen Liebe durch sein Schaffen. Otto Guzinger starb am 13. Oktober 1679 in Salzburg. Vermutlich hat er 28 Theaterstücke geschrieben, mit teils sehr originellen Inhalten, etwa der Verwendung des Zauberlehrling-Motivs. Nur von sechs seiner frühen Dramen sind Texte erhalten, sonst lediglich Periochen.

1661 wurde mit Guzingers „Ira & clementia Dianae. In Agamemnone et Iphigenia demonstrata“ das neue Universitätstheater in der Aula academica eröffnet, das mit seinen Kulissen und Maschinerien allen denkbaren barocken Bühnenzauber ermöglichte. Guzinger wusste diese Ausstattung von Anfang an gut zu nutzen, in allen seinen Stücken ist der szenische Aufwand beträchtlich: häufige Verwandlungen, oftmaliges Verwenden von Flugmaschinen, reiche Ausstattung der Figuren mit symbolträchtigen Requisiten.

Dank vieler musikalischer Szenen hatten die damaligen Stücke geradezu opernhaften Charakter. Das galt, wie Gisbertis Bericht beweist, besonders für die vom gebürtigen Reichenhaller Andreas Hofer (1628 oder 1629-1684) vertonte „Corona“ von 1670, die ein effektvolles Blumenballett enthält: Zunächst verwandelt eine böse Hexe die Blumen eines Gärtners in welke Kräuter, doch dann werden sie wieder zu Blumen und tanzen einen Reigen. Ein Glückshorn ist in diesem Werk der Preis für die arbeitsamen Menschen. Etwas freier übersetzt passt der Titel von 1670 auch für 2020: „Eine Ehrenkrone für die Helden der Arbeit“.

Vom hohen C in der Politik

Die heutige ÖVP wird mit einigem Recht von vielen Katholiken nicht mehr als christlich-soziale Partei empfunden.

Vorabdruck aus der Zeitschrift „Quart“

„Mir ist ein anständiger Nazi lieber als so ein falscher Christlich-Sozialer!“ Diese Aussage von Bruno Kreisky überliefert der aus der „Arbeiter-Zeitung“ hervorgegangene ehemalige ORF-Journalist Ulrich Brunner in einem neuen Buch über den heute bereits legendären sozialdemokratischen Bundeskanzler. Sie beruhte darauf, dass ein im „Ständestaat“ mit dem jungen Kreisky inhaftierter illegaler Nationalsozialist seinem jüdischen Mithäftling nach dem „Anschluss“ die rettende Ausreise ermöglichte. Kreiskys Abneigung gegen die „falschen Christlich-Sozialen“ ging bekanntlich sogar so weit, dass er kein Problem damit hatte, seine Minderheitsregierung vom ehemaligen SS-Mann Friedrich Peter stützen zu lassen, ehemalige NSDAP-Mitglieder in seine Regierung zu holen und am Ende seiner Kanzlerschaft die Weichen für eine SPÖ-FPÖ-Koalition zu stellen, wenn er nur die ÖVP von der Regierung fernhalten konnte.

Niemand wird bestreiten, dass die Wurzeln der ÖVP in der christlich-sozialen Bewegung des späten 19. Jahrhunderts liegen, die sich an der ersten Sozialenzyklika „Rerum novarum“ (1891) von Papst Leo XIII. orientierte. Wie weit die Umsetzung christlicher Grundsätze in die Politik der damaligen Partei, der bekanntlich auch zynische Antisemiten wie der sonst sehr tüchtige Wiener Bürgermeister Karl Lueger an führender Stelle angehörten, gelungen ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Ob eine solche Umsetzung in nennenswertem Ausmaß überhaupt möglich ist, ob die Botschaft des Jesus von Nazareth nicht nur für weltfremde „Gutmenschen“ und Sozialromantiker taugt, aber nicht zum Lenken von Staat oder Wirtschaft, werden viele in Frage stellen. Wenn sich jedenfalls eine Partei auf christlich-soziale Werte beruft, müsste es eines ihrer Hauptmerkmale sein, dass sie erkennbar versucht, die Gesellschaft, im christlichen Sinn mitzugestalten. 

Hört man sich 2020 in Österreich um, fällt auf, dass die Zahl jener, die in der ÖVP mehr „falsche“ als „echte“ Christlich-Soziale orten, in den letzten Jahren sicher nicht nur unter deren traditionellen politischen Gegnern, ob rechts oder links, sondern auch unter praktizierenden Katholiken gewachsen ist. „Gibt es in der türkisen ÖVP keine christlich-sozialen PolitikerInnen mehr?“ wurde kürzlich auf Facebook von einer ehemaligen ÖVP-Bezirksmandatarin gefragt. Die Antworten reichten von singulärem Unverständnis über die Frage – natürlich gebe es solche – über die Nennung einzelner Namen (wie Gudrun Kugler, Martin Engelberg, Othmar Karas), was einen eigenen Kommentar wert wäre,

bis zu zahlreichen kritischen Kommentaren. Vorwiegend wurde beklagt, dass die eventuell noch vorhandenen Christlich-Sozialen in der Partei weitgehend kritiklos dem „Messias“ Sebastian Kurz huldigen.

Auch abseits dieser Facebook-Kommentare ist oft der Vorwurf zu hören, dass viele führende ÖVP-Politiker – wohl  „message control“-gesteuert – so agieren, als ob sie Marionetten oder Sprechpuppen des Bundeskanzlers wären. Der gegenwärtige Kurs der ÖVP, insbesondere gegenüber Migranten, aber auch anderen von Armut und Bildungsmangel gefährdeten Personen, wird auch von vielen ehemaligen prominenten ÖVP-Leuten wie etwa Heinrich Neisser oder Christian Konrad als absolut nicht christlich-sozial betrachtet. Einzelne argwöhnen sogar, dass hinter den Eingriffen der Bischofskonferenz bei der stets als „zu weit links“ eingestuften Katholischen Sozialakademie Wünsche aus dem türkisen Lager stehen.

Natürlich werden der Kanzler und seine Anhänger diese Kritik energisch und wortreich zurückweisen. Aber überzeugen können sie damit nicht, solange das von ihnen regierte Österreich erpicht darauf ist, ausländischen Arbeitnehmern aus ärmeren Ländern die Familienbeihilfe zu kürzen, oder strikt verweigert, auch nur wenige Familien oder unbegleitete Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern aufzunehmen. Eine Partei, die christlich-sozial sein will, müsste trotz aller Bedachtnahme auf politische „Sachzwänge“ und  allen Buhlens um Wählerstimmen erkennen lassen, dass Nächstenliebe das wichtigste Prinzip des Christentums ist, und diese Nächstenliebe äußert sich nicht im ständigen stolzen Verweis auf das Schließen von Flüchtlingsrouten. Das gleichzeitige Beklagen einer gesamteuropäischen Lösung in der Flüchtlingsfrage wirkt wenig glaubhaft, wenn man ausgerechnet mit jenen „Visegrad-Staaten“ sympathisiert, die sich einer solchen Lösung vehement widersetzen. 

Den christlichen Grundsatz „Liebe Deinen Nächsten!“ und das Prinzip der Solidarität mit Armen und Verfolgten ersetzen viele Politiker im In- und Ausland, die sich als Christen deklarieren, durch den Satz „Liebe zuerst Deine Landsleute!“ Wer das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter kennt, sollte wissen, dass christliche Nächstenliebe vor allem dem Notleidenden, mit dem man gerade konfrontiert ist, zu gelten hat – unabhängig von der nationalen Herkunft! 

Österreichs Regierung hat in der Corona-Krise nicht alles richtig gemacht, aber meiner Meinung nach mehr Anerkennung verdient, als es die Opposition und auch etliche kritische Medienberichte wahrhaben wollen. Diese Krise hat andere Themen (Klimawandel, Flüchtlinge) in den letzten Monaten in den Schatten gestellt, aber diese Themen holen uns bald wieder ein. Und es ist traurig, dass die angeblich traditionell christlich-soziale Partei in diesen brennenden Fragen von anderen Grupperungen an Lösungsvorschlägen im Sinne der Menschlichkeit deutlich übertroffen wird.

Warum es gerade jetzt aktuell ist, die ÖVP daran zu erinnern, dass das Verlassen einer christlich-sozialen Politik bei etlichen ihrer traditionellen Wähler genau so ankommt, als würden die Grünen auf Umwelt- und Klimaschutz vergessen?

Vor genau fünf Jahren hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, damals auch Vorsitzende der noch das hohe C im Namen führenden CDU, mit dem Satz „Wir schaffen das!“ Hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen. Es handelte sich um eine einmalige, hoffentlich nicht wiederkehrende Situation, in der rasches humanitäres Handeln ein Gebot der Stunde war. Sie hat damit vor allem dem ungarischen Präsidenten Viktor Orban eine große Last abgenommen, von ihm aber nur Undank und Kritik geerntet und sich zugleich in Deutschland viel Ärger und Häme eingehandelt. Ihre Partei hat seither viele Stimmen verloren. Das ändert nichts daran, dass ich diese Frau als Mensch und Politikerin nach wie vor bewundere, denn „echten“ Christlich-Sozialen sollte das Bewahren von Haltung etwas mehr wert sein als das populistische Maximieren von Wählerstimmen.


Vom Waffendekor zur Druckgrafik

Die Wiener Albertina zeigt die sehenswerte Schau „Die frühe Radierung“

Die Entwicklung druckgrafischer Techniken als künstlerische Errungenschaften (Holzschnitt, Kupferstich, Radierung) kennzeichnet das ausgehende Mittelalter. Während jedoch die Herstellung eines Kupferstichs oder eines Holzschnitts große technische Erfahrung und Meisterschaft erfordert, kann fast jeder das Radieren bewerkstelligen. Mit dieser neuen Technik befassten sich sowohl Druckgrafiker als auch Architekten und Künstler, darunter in der Renaissance solche vom Rang eines Albrecht Dürer, Parmigianino oder Pieter Bruegel. 

Christof Metzger, Kurator der Ausstellung „Die frühe Radierung – Von Dürer bis Bruegel“ in der Wiener Albertina, schilderte bei der Presseführung humorvoll, wie er sich als Zehnjähriger, in einem Schulbuch erstmals mit einer „Radierung“ von Rembrandt konfrontiert, gefragt habe, „wie er das wohl gemacht hat“. Doch der Radiergummi, mit dem alle Menschen in ihrer Schulzeit Erfahrung machen, ist nicht das Werkzeug jener Radierer, die eine im späten 15. Jahrhundert entwickelte künstlerische Technik beherrschen. Was dafür an Geräten gebraucht wird, wird in einer Vitrine im ersten Raum gezeigt und erklärt.

Der deutsche Begriff „radieren“ kommt vom lateinischen Wort „radere“, das „schaben“ oder „kratzen“ bedeutet. Es geht um ein Tiefdruckverfahren, bei dem die zu druckenden Linien mit einer Metallnadel in die Druckform beziehungsweise in eine darauf aufgetragene Wachsschicht eingegraben werden. Dabei wird die Säureanfälligkeit unedler Metalle genutzt, um auf chemischem Weg die gewünschten Konturen und Schraffuren zu produzieren. Die Radierung erlaubt ein spontanes Arbeiten und steht damit der Zeichnung näher als alle anderen Druckverfahren.

Die Ausstellung „Die frühe Radierung“ läuft bis 10. Mai 2020 und ist in Zusammenarbeit mit dem Metropolitan Museum New York zustande gekommen. Sie konzentriert sich auf die ersten hundert Jahre dieser Form der Druckgrafik. 80 Prozent der mehr als 100 Exponate befinden sich im Eigentum der Albertina, deren Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder darauf hinweist, dass sein Haus 950.000 Druckgrafiken besitzt, darunter die bedeutendsten und seltensten der Kunstgeschichte.    

„Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ lautet ein oft zitierter Satz des altgriechischen Philosophen Heraklit von Ephesos. Wie auch immer man diese Aussage bewertet oder interpretiert, die Radierung hat jedenfalls ihren Ursprung in den Werkstätten von Waffenätzern, die ihre Erzeugnisse mit Hilfe von Säuren dekorierten. Was auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper in einer Ausstellung von Bildwerken wirkt, eine um 1555 in Augsburg hergestellte Sturmhaube (Eisen mit Ätzdekor, feuervergoldet), macht dies sichtbar. 

Im Spätmittelalter galt die Rüstungsmetropole Augsburg als Hochburg  der Eisenätzung. Der Augsburger Daniel Hopfer (1471-1536), der sich auf das Ätzen von Motiven auf Helme, Schwerter oder Pferdeharnische verstand, begann um 1495 als erster „Radierer“, von geätzten, also „radierten“ Metallplatten Abzüge auf Papier herzustellen. Seine Radierung „Tod und Teufel überraschen zwei Frauen“ (ca. 1510-1515), eine Leihgabe aus New York, nimmt die weibliche Eitelkeit aufs Korn.

Hopfer entwickelte höchste Meisterschaft darin, Linien- und Flächenätzung auf einer Platte zu kombinieren. Durch mehrfaches Ätzen vermochte er im Druckbild Abstufungen von Schwarz bis Mittelgrau zu erzielen. In einem weiteren Verfahren, bei dem Ätzgrund und Ätzwasser mit dem Pinsel aufgetragen wurden, gelang es ihm, einen im Abdruck an Aquatinta-Radierungen erinnernden flächigen Grauwert zu erzeugen. In Augsburg war zu Hopfers Zeit nur noch Hans Burgkmair der Ältere (1473-1531) als Radierer tätig, von dem das Blatt „Venus, Merkur und Amor“ gezeigt wird.

Die deutsche Radierung habe als eigene Kunstform die Frühzeit der Radierung beherrscht, meint Klaus Albrecht Schröder. Im kurzen Zeitraum von 1515 bis 1518 experimentierte auch der große Albrecht Dürer (1471-1528) mit der Eisenradierung, vor allem mit der Wirkung von Licht und Schatten. Zu den sechs von ihm in der Ausstellung präsentierten Werken zählen die „Landschaft mit Kanone“, die „Entführung auf dem Einhorn“ und das „Schweißtuch Jesu“.

Um 1520, als man in den Niederlanden bereits – erstmals durch Lucas von Leyden – mit Kupferplatten arbeitete, verwendeten die deutschen Radierer zunächst weiter Eisenplatten. Albrecht Altdorfer (um 1485-1538) setzte mit der Darstellung von Landschaften einen neuen Akzent. Die Albertina besitzt eine Reihe von – zum Teil kolorierten – Unikaten aus der Werkstatt dieses Meisters, zum Beispiel „Die kleine Fichte“. Er inspirierte vor allem die beiden Nürnberger Künstler Augustin Hirschvogel (1503-1553) und Hans Lautensack (um 1520-um 1565), die zunehmend das Eisen durch das flexiblere und einfacher zu bearbeitende Kupfer ersetzten. 

Wer wissen möchte, wie die deutsche Stadt Nürnberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts ausgesehen hat, wird eine Weile vor zwei Werken von Hans Lautensack verweilen. Der Künstler, der sich in der Nähe seines Monogramms am unteren Bildrand selbst bei der Arbeit verewigte, schuf 1552 zwei Ansichten von Nürnberg, eine von Osten und eine von Westen, die von jeweils drei radierten Platten gedruckt wurden. Lautensack hielt auch ein Fußturnier im Hof der Wiener Hofburg großformatig fest.

Die weiteren Räume der Schau führen in die Niederlande, nach Italien und Frankreich.

Lucas von Leyden (um 1494-1533) und seiner Werkstatt werden rund 300 Druckgrafiken zugeschrieben, nur sechs davon sind Radierungen, alle im Jahr 1520 entstanden. Seine „Bettlerfamilie“ ist sichtlich vom erfolgreichsten Buch der frühen Neuzeit, Sebastian Brants „Narrenschiff“, inspiriert. Ein anderes Werk Lucas von Leydens, beeinflusst von einer zwei Jahre zuvor angefertigten Porträtzeichnung Albrecht Dürers, bildet den 1519 verstorbenen Kaiser Maximilian I. ab. Dabei kombinierte der Künstler die Radierung mit der Kupferstichtechnik: Das Gesicht ist präzise gestochen, dagegen sind der Rest der Person und der Bildhintergrund radiert.

Aus den Niederlanden sind weitere solche Kombinationen von Radierung und Kupferstich ausgestellt. Pieter Bruegel der Ältere (um 1526-1569) entwarf zwar mindestens 35 Bildvorlagen, nach denen professionelle Druckgrafiker Radierungen oder Kupferstiche produzierten, schuf aber nur eine einzige Radierung selbst. Seine „Hasenjagd“ von 1560 gilt als Illustration der Redensart, wonach der Jäger selbst der Gejagte ist. Denn dem dargestellten Jäger mit Hund, der mit seiner Armbrust auf ein paar kleine Hasen zielt, lauert hinter einem Baum ein Mann mit einem Speer auf. Bruegel kooperierte intensiv mit dem Antwerpener Verleger Hieronymus Cock (1518-1570), von dem die Druckgrafik „Ruinen auf dem Palatin“ (Radierung und Kupferstich, 1550) stammt. Für gewinnorientierte Verleger wie Cock erwies sich die Radierung als interessante Alternative zum Kupferstich, denn die Druckerplatte ließ sich in wesentlich weniger Zeit anfertigen und ermöglichte die Produktion von rund 1000 guten Abzügen.

Eine der frühesten Radierungen von Jan Cornelisz Vermeyen (um 1504-1559), „Muley Ahmed“, führt in die Historie des 16. Jahrhunderts. Muley Ahmed war der Sohn von Muley Hasan, jenem aus Tunis vertriebenen Berberkönig, für dessen Wiedereinsetzung sich die Spanier einsetzten, um so Kontrolle über die nordafrikanische Küste zu erlangen. Vermeyen nahm im Gefolge von Kaiser Karl V. 1535 an diesem Feldzug teil und hielt Muley Ahmed auch auf einem heute verlorenen Gemälde fest, das nur noch durch eine 1608 von Peter Paul Rubens angefertigte Kopie überliefert ist.

Der erste italienische Künstler, der die Möglichkeiten der Radierung voll ausschöpfte, war Francesco Parmigianino (1503-1540). Man weiß nicht, wo er diese Technik erlernte, findet aber bei ihm große Experimentierfreude auf diesem Gebiet. Er probierte die Wirkung von farbiger Druckertinte und Plattentönen aus, bearbeitete die geätzten Kupferplatten mit Stichel oder Kaltnadel und kombinierte erstmals Radierung und Holzschnitt. Zwischen 1527 und 1530 hielt er sich in Bologna auf und fertigte dort Altartafeln, Porträts, Entwürfe für Hell-Dunkel-Holzschnitte und 18 Radierungen an. Zu Parmigianinos besten und ehrgeizigsten Radierungen zählen seine beiden unterschiedlichen Blätter zum Thema „Die Grablegung Christi“, die zweite Version entstand vermutlich aufgrund der Zerstörung der Druckplatte von der ersten Arbeit.

Auf nachfolgende Künstler, vor allem in Venedig und Verona, hatte er erheblichen Einfluss. Einer davon war Angelo Falconetto (um 1507-1567), dessen Werk „Meergötter“, inspiriert von römischen Meerwesen-Sarkophagen, ein in der Renaissance sehr beliebtes Thema aufgriff.

In Frankreich kam die Radierung erst um 1540 auf, besonders gepflegt vom Zeichner und Architekten Jacques Androuet du Cerceau (um 1511-1585). Er setzte sich intensiv mit den römischen Bauwerken des Altertums auseinander, ein markantes Beispiel ist seine Radierung „Das Kolosseum“. Im letzten Raum der Ausstellung springt noch besonders die um 1545 entstandene  „Menschenpyramide“ ins Auge. Der französische Bildhauer und Radierer Juste de Juste (um 1505-um 1559) hat zu diesem Thema eine bemerkenswerte Serie von zwölf Blättern geschaffen. 

Der letzte Abschwung

In memoriam Hannes Schopf (1947-2020). Ein Vorabdruck aus der Zeitschrift „Quart“.

Vor 30 Jahren belehrte ein österreichischer Bischof einen Journalisten: In den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf das sich kritische Katholiken gerne beriefen, stehe, dem Bischof gebühren „Ehrfurcht und Gehorsam“. Auf die Ehrfurcht, erklärte er jovial, lege er keinen Wert, wohl aber auf den Gehorsam. Der Journalist erwiderte: „Wenn es so in den Texten steht, Herr Bischof, müssen Sie auch auf die Ehrfurcht Wert legen!“ Seiner Exzellenz entfuhren überrascht die Worte: „Also Humor haben Sie!“

Der Bischof hieß Kurt Krenn, der Journalist Hannes Schopf, damals Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“. Am Karfreitag, dem 10. April 2020, ist Schopf im Alter von 72 Jahren einer Covid-19-Erkrankung erlegen. Sein Tod trifft vor allem seine Familie, die auf der Parte von einem „lieben Gatten, fürsorglichen Vater, humorvollen Schwiegervater, liebevollen Opa“ Abschied nimmt. Mit ihm trat aber auch ein Publizist ab, den hohe Kompetenz, gelebte Solidarität, Humor, Courage, Einfallsreichtum und großer Einsatz für Werte und Ethos auszeichneten. 

Hannes Schopf kam am 7. Oktober 1947 zur Welt, neun Jahre nach jener Rosenkranzfeier im Wiener Stephansdom, die als einzigartiger Protest gegen das NS-Regime in die Geschichte eingegangen ist. Die Bedeutung dieses Tages war ihm bewusst und entsprach seiner eigenen geradlinigen christdemokratischen Haltung. Der unvergessliche Hubert Feichtlbauer holte Schopf 1979 vom ÖVP-Pressedienst zur „Furche“, wo er die Innenpolitik und 1984 die Chefredaktion übernahm.

Man konnte von Hannes Schopf fachlich und menschlich viel lernen. Er kreierte originelle Begriffe (etwa „Krokuwaz“ für die Mediaprint), er deckte auf, dass hinter dem Pseudonym „Christianus“ Bischof Krenn stand. Als Chef motivierte er vorwiegend mit Lob und stellte sich stets vor seine Mitarbeiter, wenn Bischöfe deren Texte, ob in der Zeitung oder in Büchern, beanstandeten. Als sich 1994 Sparmaßnahmen in der „Furche“ abzeichneten, gab er ohne Umschweife seinen Posten ab.

Später bewährte er sich beim „Österreichischen Bauernbündler“ (1995-1999) und dann bis zu seiner Pensionierung (2012) als Sprecher des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Ehrenamtlich engagierte er sich noch als Vizepräsident des Presseclubs Concordia, als Ombudsmann des Österreichischen Presserates sowie als Vorsitzender der Publizistikförderungskommission.

„An die Maschinen!“ Mit diesem Kommando beendete Hannes Schopf viele „Furche“-Redaktionskonferenzen. Dabei agierte der Eisenbahn-Fan sonst gar nicht als Kommandant, sondern als umsichtiger Stationsvorsteher und Weichensteller. Stets sorgte er für ein gutes Betriebsklima – auch mit launigen Gedichten bei Feiern, mit Betriebsausflügen, darunter „Furche“-Skitagen. Der brillante Skifahrer war zwar begeisterter Weinviertler mit Wohnsitz Auersthal, ging aber als Kind am Arlberg mit der jung verstorbenen Slalom-Weltcupsiegerin Gertrud Gabl in die Schule. Nun wurde ihm ein Skiurlaub in Ischgl zum Verhängnis, nach dem letzten Abschwung kehrte er mit der tödlichen Infektion zurück. 

Ein Mann, der spürbar zwei große Kraftquellen in seinem Leben hatte – seine Familie und seinen Glauben –, ist uns, leider viel zu früh, ein Stück vorausgegangen.

Das harte Los von Politikerinnen

Es ist verdammt hart, Politikerin zu sein. Der Trend geht anscheinend wieder zu Männern in Spitzenpositionen. Ein Beitrag aus der Zeitschrift „Quart“.

Das Jahr 2020 steht schon jetzt im Zeichen des Coronavirus. Womit wird es noch in die Geschichte eingehen? Wird es das Jahr einer neuen großen Fluchtbewegung nach Europa? Wird es das Jahr der Abwahl oder der Wiederwahl von Donald Trump? Wird am Ende dieses Jahres ein tragfähiger Vertrag die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien nach dem Brexit regeln? Erleben wir in diesem Jahr weitere Aktionen pro oder kontra Papst Franziskus oder wider Erwarten neue Aufbruchstimmung in der römisch-katholischen Kirche? Wird es das Jahr, in dem ein entscheidender Schritt in der Klimapolitik gelingt?

Ein Trend dürfte sich 2020 allem Anschein nach verstärken: die Renaissance von Männerdominanz in politischen Führungsfunktionen. Im Vorjahr, als Ursula von der Leyen an die Spitze der EU-Kommission berufen wurde, sah es noch anders aus. Gleichzeitig musste freilich in Großbritannien die glücklose Theresa May dem Populisten Boris Johnson weichen. In den USA, wo 2016 Hillary Clinton die meisten Stimmen auf sich vereinte, aber aufgrund des Wahlsystems Donald Trump unterlag, hatten heuer Frauen schon bei den Vorwahlen keine Chance.

In Deutschland spürten die Vorsitzenden der großen Parteien zunehmend Gegenwind und zogen Konsequenzen. Andrea Nahles dankte als SPD-Chefin ab, was ihrer Partei nach einem langwierigen Wahlkampf eine wenig populäre Doppelspitze bescherte. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer holte sich zwar auf einem Parteitag noch einmal ein Vertrauensvotum, kündigte aber ihren Rücktritt an, als sie einsah, dass große Teile der CDU nicht wirklich hinter ihr stehen. Um ihre Nachfolge rittern nur Männer. Ob die Kanzlerschaft von Angela Merkel erst 2021 planmäßig oder früher vorzeitig endet, bleibt abzuwarten. 

Es ist offenbar verdammt hart, als Politikerin einen Spitzenjob zu erlangen und sich dann darin über einen längeren Zeitraum zu behaupten. Auch die „eiserne Lady“ Margaret Thatcher, die über ein Jahrzehnt Großbritannien regierte, wurde schließlich von Parteikollegen gestürzt. Dass auch Österreich von einer Frau regiert werden kann, hat Brigitte Bierlein, die freilich ernannt und nicht gewählt wurde, für ein halbes Jahr bewiesen.

Man mag es als bedeutendes Signal feiern, wenn die neue türkis-grüne Regierung mehr Frauen als Männer aufweist, doch die wichtigsten Ämter bleiben in Männerhand. In nächster Zeit ist weder mit einer Bundes- oder Vizekanzlerin noch mit einer weiteren Landeshauptfrau – neben Johanna Mikl-Leitner – zu rechnen.

Bei der größten Oppositionspartei, der SPÖ, hatte die Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner bisher nicht den Rückhalt, um den sie zuletzt bei der Parteibasis warb. Offenbar wollen viele in der Partei nicht mit ihr, sondern mit einem Mann an der Spitze in die nächste Nationalratswahl gehen. Wahrscheinlich hat sie nicht mehr Fehler begangen als andere Politiker, sowohl weibliche als auch männliche. Das wahre Problem von Politikerinnen sind wohl nicht nur Anfeindungen durch Macho-Typen in der eigenen Partei, sondern es zeigt sich dann, wenn sie glauben, besonders entschlossen und kämpferisch, also „männlich“, auftreten zu müssen und so viel an Authentizität und Sympathie beim Wahlvolk verlieren.  

Corona und die „alte Normalität“

Im Umgang mit Seuchen sind schnelles Handeln, Konsequenz und Geduld angesagt. Die Regierung zeigt mehr davon als die Opposition.

Es musste ja so kommen. Im österreichischen Parlament ist die „alte Normalität“ eingekehrt. Die Oppositionsparteien, offenbar gebeutelt von mageren Umfragewerten, verabschieden sich vom gemeinsamen Kampf gegen Covid-19, obwohl das Virus noch keineswegs endgültig besiegt ist, und geben der Regierung die Schuld an fast jeder Unbill, die der verantwortungsvolle Umgang mit einer solchen Pandemie eben mit sich bringt.

So sehr man die Politik des Kanzlers in anderen Bereichen für falsch halten und seiner Art des Auftretens keine große Sympathie entgegenbringen mag, so wenig hat er sich die jüngste bissige Kritik im Umgang mit der Corona-Krise verdient. Meiner Meinung nach würde niemand aus der Opposition – ausgenommen eventuell die Expertin Pamela Rendi-Wagner, die sich aber wahrscheinlich in ihrer Partei mit harten Maßnahmen nicht durchgesetzt hätte – besser mit dieser Pandemie umgehen. Schon gar nicht ein Herbert Kickl, der sich jetzt – wie herzig! – Sorgen um zu viel Überwachung und Einschränkung der Freiheitsrechte macht.

Natürlich kann man sich an Details stoßen, natürlich ist nicht alles perfekt gelaufen. Wenn man aber bedenkt, dass die neue Regierung – noch gar nicht die früher übliche Schonzeit von hundert Tagen im Amt – mit der größten weltweiten Krise seit 1945 konfrontiert wurde, verdient ihre Performance punkto Covid-19 (das gilt sicher nicht für alle ihre Leistungen) höchsten Respekt.

Bei Pandemien zählen schnelles Handeln, Konsequenz und vor allem Geduld. Es ist in derartigen Situationen leider absolut unvermeidlich, dass rasch alle Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden müssen und dass dies einen weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens und einen massiven Verlust an Einkommen und Lebensqualität für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung zur Folge hat. Österreich hat auf die ersten Corona-Fälle (das Land Tirol vielleicht ausgenommen) abrupter und härter reagiert als andere Staaten, weshalb es jetzt deutlich besser dasteht. Früher hätte die Regierung kaum handeln können. Noch als sie die ersten Maßnahmen setzte, hatte sie zahlreiche Verharmloser der Pandemie, die es bis heute gibt, gegen sich, die das Vorgehen der Politik für „überzogen“ hielten. Inzwischen gehen diesen Leuten langsam die Länder aus, die angeblich klüger mit Covid-19 umgegangen sind: Das immer wieder genannte Schweden (das übrigens verspätet auch etliche Maßnahmen gesetzt hat) weist fast die vierfache Mortalität von Österreich auf und hat nur deshalb kaum mehr bestätigte Corona-Fälle, weil dort deutlich weniger getestet wird.

Heute erspart Österreich wahrscheinlich jeder einzelne Tag, den der „Lock down“ früher als in anderen Ländern gesetzt wurde, nicht nur viele Kranke und Tote, sondern beschert ihm auch ein früheres „Hochfahren“ des öffentlichen Lebens. 

Dass dieses Hochfahren nur in einzelnen Schritten und nicht überall gleichzeitig erfolgen kann, wenn der bisherige Kampf gegen das Virus erfolgreich bleiben soll, müsste jedem vernünftigen Menschen einleuchten. Natürlich kann man je nach Interessenlage endlos darüber streiten, in welchen Bereichen die Lockerungen früher oder später erfolgen sollten, aber es gibt gute Gründe dafür, dass man mit Handel und Gewerbe und nicht mit den Schulen angefangen hat und dass man den Tourismus und die Großveranstaltungen vorläufig ganz nach hinten gereiht hat. Wenn sogar ein Devisenbringer wie das Oktoberfest in München bereits jetzt abgesagt wird, ist auch hierzulande Geduld angesagt – ohne Geduld wird diese Krise nämlich nicht zu meistern sein.

Wenn aber die Krise gemeistert wird, ist das der Erfolg aller Österreicher und Österreicherinnen, die sich konsequent um die Eindämmung der Seuche bemüht haben, und – nicht nur, aber auch – aller verantwortungsvoll handelnden Politiker im Land, auch jener der Opposition, soweit sie jetzt nicht entbehrliche Haxelbeißerei betreiben.